Mai 2025 – Jessica Higgins und Bruno Akkan
BEGEGNUNG MIT JESSICA HIGGINS UND BRUNO AKKAN AM MITTWOCH, 7. Mai 2025, 20.00 UHR IN DER LOBBY WERKHAUS
Im Mai waren Jessica Higgins und Bruno Akkan unsere Gäste bei der „Begegnung“ mit dem Schauspiel. Schauspielintendant Christian Holtzhauer, der den Abend moderierte, wies zunächst auf die nächste Schauspiel-Premiere „Die Erweiterung“ sowie auf die Schillertage (19. - 29. Juni 2025) hin. Dann stellte er die beiden Gäste kurz vor.
Das Theater war bei Jessica Higgins praktisch vorbestimmt, denn Großmutter und Mutter waren Tänzerinnen, der Vater Sänger. Die Familie stammt aus Großbritannien, aber aufgewachsen ist Higgins in Lüneburg, wohin die Eltern wegen ihrer Engagements gezogen waren. Mit elf Jahren sang sie im Kinderchor des Theaters. Später ging sie nach München an die Otto-Falckenberg-Schule, anschließend nach Oxford für weitere Schauspielstudien, aber auch um dort ihren Schulabschluss zu machen. Ein erstes Engagement führte sie ans Volkstheater Rostock, es folgten weitere Stationen in Bielefeld, München, Tübingen, Augsburg und Darmstadt.
Nach Mannheim kam sie in der Spielzeit 2020/21, mitten in der Corona-Zeit, weswegen sie ihr Rollendebüt am NTM, den Grafen Wetter vom Strahl im „Käthchen von Heilbronn“, in einer Generalprobe ohne Publikum absolvierte. Seitdem bewies sie ihr Können in vielen Rollen, zu ihren bevorzugten gehört unter anderem die Polly in der „Dreigroschenoper“. Beim ersten künstlerischen Zwischenspiel zeigte Jessica Higgins ihr musikalischen Talent, griff selbst zur Gitarre und sang Ben Harper´s „Waiting for an Angel“.
Bruno Akkan wurde in Berlin geboren und wuchs auch dort auf. Gespielt hat er schon früh, zuerst in Theaterclubs, dann holte ihn eine Freundin seiner Mutter – als einzigen Jungen – in eine Theatergruppe, wo er als Rollendebüt einen Raben sang und mit der er später auch an die Neuköllner Oper gelangte.
Nach dem Abitur wollte er eigentlich Rhythmik studieren. Dazu kam es nie, aber die intensive Studienvorbereitung mit Musiktheorie und Bewegungsstudien verhalf ihm zu einem erweiterten Körperbewusstsein. Nachdem er in einer „Räuber“-Aufführung den Darsteller des Franz Moor sehr bewundert hatte, wollte er nun Schauspieler werden. Er bewarb sich mit Video und Vorsprechen an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, wurde angenommen und zog in diese Stadt. Zum Abschluss der Studien, die auch zwei Jahre praktische Schauspielarbeit an einem Theater beinhalten, muss noch eine Masterarbeit fertig geschrieben werden. Akkans Thema dafür ist „Empathie im Theater als systemtragende Kraft“, mit der Fragestellung, was Empathie im Theater, das schließlich die es umgebende Stadtgesellschaft repräsentiert, bewirken kann.
Auf die Frage des Moderators nach Wissen, das sie lieber schon vor ihren Engagements gehabt hätte, antwortete Higgins, sie hätte sich gerne eher getraut, eigene Wege neben dem des stringenten zum Theater zu gehen, mehr Mut zu eigenen Entscheidungen und als Freischaffende gehabt zu haben.
Bruno Akkan gehört ab der nächsten Spielzeit fest zum NTM-Schauspielensemble. Er freut sich über das Engagement und ist überzeugt, dass es trotz aller zeitbedingten Widrigkeiten wie Etatkürzungen immer Theater geben wird, vielleicht in veränderter Form. Aber seine Kernqualität, momentanes, unmittelbares und unwiederholbares Erleben zu bieten, wird es behalten. Es soll, so Akkan auf die Frage Holtzhauers, wie Theater sein soll, frei sein, bei jeder Vorstellung einen Raum bieten, in dem Neues entsteht und entdeckt werden kann.
Jessica Higgins bestätigte ihren Kollegen, zwar werde die Aufregung vor einer Vorstellung geringer, aber es bleibe ein Sich-bereit-machen für das Risiko, damit die Begegnung mit dem Publikum gelingt. Als Rolle mit viel Risiko ist ihr die in „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ in Erinnerung.
Akkan probt momentan den Ferdinand in „Kabale und Liebe“ (Premiere am 19. Juni), eine Figur, die er als idealistisch und egozentrisch empfindet, dennoch getrieben von Liebe und der Suche nach Zugehörigkeit. Der Schauspieler hat großen Respekt vor der Kompaktheit und Vielschichtigkeit der Schiller´schen Sprache und Gedankenwelt, er will deren gesamte Bandbreite ausdrücken und sich dabei ganz auf den Text verlassen.
Welche Bandbreite er selbst hat, bewies Akkan mit dem türkischen Lied „Olsun“, bei dem er sich selbst am Flügel begleitete. Akkan spricht fließend Türkisch und er erzählt, dass er auf eine deutsch-türkische Schule ging und er schon immer viele türkische Freunde hatte.
Um bei Sprache zu bleiben: Neu für viele Theaterfreund*innen war, dass Jessica Higgins auch als Übersetzerin englischer dramatischer Werke ins Deutsche arbeitet.
Abschließend wurden beide von Christian Holtzhauer noch nach ihren Eindrücken von Mannheim gefragt. Jessica Higgins schätzt an Mannheim die Zugänglichkeit der Menschen, dass vieles nebeneinander existiert und es vieles zu entdecken gibt. Gerne nehmen sie und ihr Kollege Hinweise auf schöne Plätze aus dem Publikum entgegen.
Bruno Akkan lebt seit April hier und ist gespannt auf die Stadt, empfindet sie als wohltuend überschaubar und freundlich.
Holtzhauer wies mit Schillers „Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“ nochmals auf die Vergänglichkeit des Theaterspiels hin, die der Preis für seine Unmittelbarkeit ist, und beschloss damit den Abend.
Text: Luisa Reiblich
Bilder: Petra Eder


