Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim

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November 2025 – „Begegnung-Extra“

BEGEGNUNG-EXTRA MIT KULTURBÜRGERMEISTER THORSTEN RIEHLE AM DONNERSTAG, 20. NOVEMBER 2025, UM 19.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL
BEGEGNUNG-EXTRA MIT KULTURBÜRGERMEISTER THORSTEN RIEHLE AM DONNERSTAG, 20. NOVEMBER 2025, UM 19.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL

Christian Haas begrüßte zur „Begegnung extra“ mit dem Thema „Generalsanierung – Halbzeit auf der Baustelle“. Er würdigte das Geleistete und richtete den Blick nach vorne: Schon jetzt sei zu erkennen, dass Spielhaus und Goetheplatz schön sein werden. Er wünsche sich jedoch mehr positive Berichterstattung über das Projekt und die Leistungen des Nationaltheaters.
Danach übergab der Vorsitzende der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e. V. das Wort an Nele Haller, Leiterin Presse und Marketing Generalsanierung NTM, die das Gespräch mit Mannheims Kulturbürgermeister Thorsten Riehle und Tilman Pröllochs, dem geschäftsführenden Intendanten des NTM, moderierte.

Riehle wies auf die Unumgänglichkeit der Sanierung des Theaters hin. Es war seit 60 Jahren im Dauerbetrieb, bei Erneuerungsmaßnahmen im Jahr 1992 wurde nur das Notwendigste saniert und der Bühnenturm für das Schauspiel errichtet. Das Haus ist auch ein Arbeitsplatz, es muss den Richtlinien des Arbeitsschutzes genügen. Denen des Brandschutzes genügte es bei weitem nicht mehr, nur eine Generalsanierung ermöglichte noch den weiteren Spielbetrieb. Als Alternative war kurze Zeit ein Neubau im Gespräch, aber die Frage: „Was soll dann mit dem bestehenden Theater geschehen?“ begrub diese Idee schnell. Denn Spielhaus und Goetheplatz stehen unter Denkmalschutz, die in ihnen verwirklichten Ideen von Transparenz und Offenheit beeinflussen bis heute die Gestaltung von Theaterbauten. Die Auflagen des Denkmalschutzes werden deshalb bei allen Maßnahmen berücksichtigt, die vom Architekten gewollte Öffnung des Theaters zur Stadt hin sogar noch stärker betont durch die künftige Gestaltung des Goetheplatzes. Das neue Ensemble Nationaltheater wird also auch ein Beitrag zur Stadtentwicklung Mannheims sein.
Pröllochs betrachtete die Aufgabe, eine Generalsanierung zu begleiten, als reizvoll genug, um eigens dafür hierher zu kommen. Er dankte der Stadt für die großartige Organisation dieser Unternehmung. Den konkreten Raum für die Kunst dann zu schaffen sei Intendantengeschäft, der Gemeinderat erlaubte dem Theater, die Vergabe der Gewerke selbst zu tätigen, auch später für die Errichtung der Interimspielstätte Oper am Luisenpark (OPAL). Zu den Vorhaben gehört auch die Umwandlung des Goetheplatzes, eines der heißesten Areale der Stadt, im Sinne einer wirksamen Klimapolitik in einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität.
Riehle betonte, dass die Stadt Kultur braucht, um attraktiv zu bleiben, sowohl für die Mannheimer*innen als auch für das Umland und auch für anzuwerbende Fachkräfte. Dieses Bestreben wird nicht mehr von allen mitgetragen, zudem auch eine Finanzierungslücke aufgetreten ist und nach Einsparungsmöglichkeiten gesucht werden musste. Der Verzicht auf den Bau eines Zentrallagers trägt ihr Rechnung. Zudem muss es in Zukunft Strategien geben, die Menschen mit dem Theater so zu verbinden, dass sie wieder stolz darauf sind. Das Theaterfest zu Beginn dieser Spielzeit mit hohem Besucheraufkommen war ein wirksamer Schritt in diese Richtung. Pröllochs wies auf das im Vergleich zur Bauzeit des Theaters inzwischen sehr viel größere und differenziertere Kulturangebot hin, dies belaste die Spielstätten, wie auch die Corona-Pandemie geschadet hat.
Die 30 Jahre Sanierungsstau erforderten eine großangelegte Planung, bereits 2009 startete das Projekt mit Aus- und Umzügen. Rund 247 Millionen Euro, so Riehle, waren dafür eingeplant, die notwendige Summe steigerte sich unter anderem wegen der allgemein stark gestiegenen Preise für Baumaterialien, einigen Schadstofffunden an unerwarteten Stellen im Gebäude sowie vieler Einsätze des Kampfmittelräumdienstes auf 295 Millionen. Das sind ca. 20 Prozent Mehrkosten, eher wenig im Vergleich mit der statistisch nachgewiesenen bundesweiten Baupreissteigerung von über 43% im gleichen Zeitraum. 90 Prozent der Gewerke sind inzwischen zu fest ausgehandelten Preisen vergeben, die Finanzierung insgesamt ist transparent. Die Fortschritte sind bei den regelmäßigen Baustellenführungen zu begutachten. Nicht zu verantworten wären die hohen Folgekosten bei einem Baustopp, denn er zöge Konventionalstrafen und Rückforderungen von Zuschüssen nach sich. Einen Stopp nur aufgrund von Meinungen zu verlangen, sei „unredlich und unfair“.
Ein Teil der Mehrkosten sind abgedeckt, für den noch offenen Teil bemühe man sich um weitere Hilfe von Bund oder Land, sie ist aber ungewiss. Die letzte Möglichkeit der Finanzierung ist die Übernahme des Fehlbetrages durch das Theater selbst, mittels eines Kredites oder durch private Sponsoren.
Dies wäre, so Pröllochs, eine starke Belastung für alle 800 Beschäftigte des NTM, zusätzlich zum angeordneten Sparkurs, der keine Nachbesetzungen von Stellen mehr erlaubt und die Überprüfung von Strukturen erfordert.
Zum Stand auf der Baustelle, wo 2026 Halbzeit ist, berichtete der geschäftsführende Intendant, dass die unterirdischen Erweiterungsbauten am Spielhaus fast fertig seien, bis Weihnachten erhielten Orchester- und Chorprobensaal ihre Abdeckung, die Präsenzwerkstätten hätten sie bereits. Der Glaspavillon, die ehemalige Kassenhalle, werde mit Sanitäranlagen ausgestattet, um dort eine Gastronomie unabhängig von den Öffnungszeiten des Theaters betreiben zu können.
Die Drehbühne im Opernhaus ist saniert und mit einer Versenkung versehen, was neue Aufbaumöglichkeiten eröffnet. Im Zuschauerraum sind die Auslassungen für die Lüftungsanlage unter den Sitzen erneuert, wenn die Sessel stehen, wird der Raum wieder so aussehen wie vor der Sanierung.
Im Schauspielhaus wird es mehr Neues geben, nämlich außer dem Bühnenvorhang noch zwei weitere, einen vor der Glasfront zur Stadt hin und einen zusammen mit einer Glasabtrennung hinter den Sitzreihen, letzterer dient auch dem Schallschutz. Backstage läuft bereits der Innenausbau für Kabeleinzüge, Medientechnik und Beleuchtung. Auch Pröllochs forderte zur regen Teilnahme an den Baustellenführungen auf, so könne jede und jeder sich von den Fortschritten selbst überzeugen.
Auf mögliche neue Wege, Besucher*innen aus der gesamten Breite der Bevölkerung ans Haus zu binden, wies Riehle hin. Das Stammpublikum aller Sparten zu halten und gleichzeitig mit ungewohnten Formaten neue Publikumsgruppen zu erobern, wird eine künftige Aufgabe sein. Vorstellbar sind ebenfalls Kooperationen mit anderen Kulturplayern der Stadt Mannheim, wie bereits mit der Kunsthalle erfolgreich ausprobiert.
Auf die Frage der Moderatorin nach ihren Wünschen antwortete Riehle, er wünsche sich, dass die Mannheimer*innen stolz auf ihr Theater sein und es auch in härteren Zeiten tragen mögen, wie bereits geschehen nach dem Wegzug des Kurfürsten Carl Theodor und auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Pröllochs wünschte sich, dass im Jahr 2030 Bürger*innen und auch NTM-Mitarbeiter*innen sagen werden, ja, es ist ein Erfolg, es hat sich gelohnt, die Generalsanierung unseres Theaters trotz aller Entbehrungen durchzuziehen.

Auf Hallers Ermunterung zu Publikumsbeiträgen kam die Frage, was mit Franklin nach den Interimsspielzeiten passiere. Pläne dafür, so Riehle, seien in Arbeit, vielleicht wird es von der Stadt weiterbetrieben, um die Infrastruktur des Stadtteils zu fördern.
Ein weiterer Beitrag verwies auf die „Mannheimer Mentalitäten“, die sowohl Zustimmung zum Theater als auch Protest umfassen können, aber doch dem Theater gegenüber wohlwollend eingestellt seien.
Eine weitere Frage zielte auf die künstlerische Relevanz im Spielplan, konkret darauf, warum die Neuinszenierung der Oper „Greek Passion“ gestrichen und dafür eine „betagte“ „Madama Butterfly“-Inszenierung wieder aufgenommen würde, was den Vorwurf, das Theater sei zu rückwärtsgewandt, befeuere. Riehle stimmte zu, der Verlust von „Greek Passion“ sei schmerzhaft, aber die Eigeneinnahmen erlaubten die Finanzierung nicht. Momentan brächten alle Institutionen der Stadt Opfer, dies täte auch die Oper als sichtbares Signal der Solidarität mit der Stadtgesellschaft. Pröllochs bestätigte die finanziellen Gründe der Entscheidung, denn fünf Prozent Kürzung des Etats für das NTM werden in der laufenden Spielzeit bereits realisiert. „Greek Passion“ wäre wichtig, man versuche, es in einer kommenden Spielzeit noch einmal ins Auge zu fassen.
Ein Schmankerl zum Abschluss lieferte Pröllochs mit der Frage, aus welchem Stoff wohl seine Krawatte geschneidert sei? Es ist der, aus dem der Rock der Herzogin in „Alice im Wunderland“ gefertigt wurde, und die Krawatte ist auch käuflich zu erwerben. Auch mit solchen Dingen könne man Werbung für das NTM machen.
Nele Haller bedankte sich bei allen Beteiligten und beendete die Veranstaltung.

 

Text: Luisa Reiblich

Bilder: Dr. Stefan Seitz