Januar 2026 - Tanzensemble
BEGEGNUNG MIT DEM TANZENSEMBLE AM MITTWOCH, 21. JANUAR 2026, 19.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL
Nach der Begrüßung durch Petra Eder, erklärten Susanne Wiedmann und Johannes Grube kurz den Ablauf des Abends und baten das Publikum sofort in den Zuschauerraum. Denn der Abend begann mit einer Bühnenorchesterprobe (noch ohne Kostüm und Maske) des ersten Aktes der neuen Tanzproduktion „Shakespeare & Love“ in der Choreografie von Tanzintendant Stephan Thoss. Das NTM-Orchester spielte unter der Leitung von Markus L. Frank, die Bandbreite reichte von rhythmisch stark betonten Stücken moderner Komponisten bis zum Adagietto aus Mahlers fünfter Sinfonie.
Die Tänzer*innen stellten in wechselnden Figurenkonstellationen Variationen von Liebe und anderen menschlichen Beziehungen dar, wie sie bei Shakespeare zu finden sind. Sechs Stücke hat sich Thoss für seinen neuen Orchester-Tanzabend ausgewählt: „Macbeth“, „Othello“„Hamlet“, „Ein Sommernachtstraum“, „König Lear“ und „Romeo und Julia“.
Es geht um Anziehung und Abstoßung, Rivalität, Intrigen, Kämpfe, Verfolgung und vieles mehr. Einzelne Requisiten wie etwa eine Feder, ein Tuch oder auch ein Paar Eselsohren deuten an, in welchem Stück die Darsteller*innen gerade agieren. Das Bühnenbild aus Einzelelementen von bogenförmig arrangierten Längsbalken, die Raum für Videoprojektionen und Lichtelemente bieten, sowie die Drehscheibe ermöglichen schnelle und fließende Übergänge von einer Szene zur nächsten. Die wie gewohnt virtuosen und ausdrucksstarken Tänzer*innen lassen das fatale Tuch aus „Othello“ von Hand zu Hand gleiten oder verfolgen einen Fliehenden mit so weiten, kopfüber ausgeführten Sprüngen über den Boden, dass man sie eher für Delphine im Wasser halten möchte als für Wesen, die der Schwerkraft unterliegen.
Auch wenn der Dirigent noch einige und der Choreograf noch sehr viele Korrekturen anbrachten, ließ dieser erste, etwas über eine Stunde dauernde Akt bereits erahnen, dass das NTM wieder einen komplexen und anregenden Tanzabend in seinem Repertoire hat.
Zurück im Foyer erläuterten dann Tanzbetriebsdirektor Johannes Grube und Dramaturgin Susanne Wiedmann das Projekt. Die täglich lange und intensive Arbeit resultiere auch daraus, dass der Choreograf und seine Frau Romy Liebig für alles, auch den Entwurf von Bühnenbild und Kostümen, selbst verantwortlich seien. Letztere werden sehr bunt sein, jedem Abschnitt wird eine eigene Farbe zugeordnet, die zusammen mit der Musik eine je spezifische Stimmung erzeugt.
„Shakespeare & Love“ ist kein Handlungsballett, sondern stellt mittels verschiedener Szenen aus den Dramen Einzelaffekte dar und erkundet die Shakespeare´schen Liebeskonzepte. Den Rahmen bildet der von Platon berichtete Mythos des Kugelmenschen: Ursprünglich waren die Menschen mächtige Doppelgeschöpfe mit vier Armen und vier Beinen. Ihre Macht beängstigte die Götter, sodass Zeus die Wesen in zwei Hälften spaltete, die seither auf der Suche nach einander sind. Dies ist der Ursprung des Liebestriebes.
Eine Variante der Liebe ist die zwischen Mutter und Sohn, die der erste Akt thematisiert. Ein junger Mann erlebt die Ablösung bis hin zum Verlust der Mutter, dann trifft er auf Julia und findet eine neue Art der Liebe, charakterisiert durch Mahlers Musik. Im zweiten Akt vervielfachen sich die Paare und suchen weiter nach der ihnen gemäßen Form von Liebe, was dann in den Vorstellungen von „Shakespeare & Love“ zu erleben sein wird.
Text: Luisa Reiblich
Bilder: Marina Terechov









